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Bienenstaat

Der Bienenstaat der Honigbienen hat eine sehr komplexe Struktur und bis heute sind nicht alle Zusammenhänge restlos verstanden. Die Organisation eines Bienenvolkes ist hochinteressant und fasziniert die Menschen seit tausenden von Jahren. Es gibt 3 verschiedene "Bienenwesen", die sehr spezifische Aufgaben haben: Königin, Arbeiterin und Drohn.

 


1. Die Königin:

Sie entsteht aus einem befruchteten Ei und wird ausschließlich mit einem speziellen Futtersaft (Gelee Royal) großgezogen. Sie ist das einzige Individuum im Volk das Eier legt und sorgt so für die Vermehrung im Bienenvolk. Sie lebt bis zu 5 Jahre und wird ständig von ihrem Hofstaat umsorgt, der sie putzt und füttert. Kurz nach dem Schlüpfen fliegt sie aus dem Bienenstock hinaus, um sich mit 10-20 Drohnen in der Luft zu paaren. Danach kehrt sie mit einer vollen Samenblase, die mehrere Millionen Spermien enthält, zurück und verbringt den Rest ihres Lebens mit dem Legen von bis zu 2000 Eiern/Tag.

2. Arbeiterinnen:

Sie schlüpfen aus befruchteten Eiern und werden als Sommerbienen 4-6 Wochen alt. Sie verbringen die erste Zeit ihres Lebens im Bienenstock und arbeiten dort als Baubienen, Ammenbienen, Heiz- bzw. Kühlbienen und Wächterbienen. Die letzten 10 Tage ihres Lebens arbeiten sie im Außendienst und sammeln Pollen und Nektar. Als Winterbienen dagegen leben sie von September bis März und sind dabei meistens mit Heizen beschäftigt.

3. Drohnen:

Sie entstehen aus unbefruchteten Eiern und haben deshalb nur einen halben Chromosomensatz, besitzen riesige Komplexaugen, können nicht stechen und sind viel größer als die Arbeiterinnen. Drohnen gibt es nur im Frühjahr und Sommer und immer nur wenige Tausend pro Bienenvolk. Ihre Aufgabe ist die Begattung junger Königinnen. Sofort nach Begattung einer Königin sterben sie.
 

Nur weil die Königin so heißt, ist sie noch lange nicht die Chefin im Bienenstaat. In Zeiten wo die Menschen noch von Königen regiert wurden, glaubte man natürlich, daß das im Bienenvolk auch so sein muß. Aber in Wirklichkeit bestimmen die Arbeiterinnen wo es lang geht. Und wenn eine Königin ihre Leistung nicht mehr erbringt oder sonstwie "behindert" ist, wird sie abgestochen und eine neue Königin wird herangezogen. Auch ob ein Volk sich teilen und schwärmen soll, bestimmen im Wesentlichen die Arbeiterinnen.
 

Bei der Kommunikation zwischen den Individuen spielen Geruchsstoffe (Pheromone), Tastreize und elektrische Felder eine bedeutende Rolle. Die Königin sendet z.B. einen Duftstoff aus, mit dem den Arbeiterinnen permanent signalisiert wird, daß sie noch da ist. Dadurch wird auch das Wachstum der Eierstöcke bei den Arbeiterinnen unterdrückt und so ist sie die Einzige, die für die Fortpflanzung sorgt. Fehlt der Königinnenduft im Bienenstock, werden die Bienen schon nach einer knappen Stunde unruhig und fangen an wie wild mit den Flügeln zu fächeln um den Pheromonduft herbeizuwedeln. Dieses charakteristische Geräusch bezeichnet der Imker als "heulen" und er weiß sofort, daß in diesem Volk die Königin weg ist. Im Bienenvolk wird sofort alles unternommen, um eine neue Königin aus den hoffentlich noch vorhandenen Eiern nachzuziehen.

Honigbienen im Außendienst können ihren Kolleginnen nach der Rückkehr in den Bienenstock genau sagen, wo sich eine ergiebige Nektarquelle befindet und es sich deshalb lohnen würde, daß alle zum Sammeln dorthin fliegen. Dazu benutzen sie die sogenannte "Tanzsprache der Bienen", die überwiegend auf taktilen Reizen und der Wahrnehmung elektrischer Felder basiert und erstmals von Karl von Frisch (1886-1982) beschrieben worden ist. Für deren Entschlüsselung erhielt er 1973 den Nobelpreis. Die Bienen können damit präzise die Richtung und Entfernung der lohnenden Nahrungsquelle angeben. Der Sonnenstand in Abhängigkeit von der Tageszeit wird dabei exakt gemessen und berücksichtigt.

Bienenvölker vermehren sich durch Teilung, sie bilden einen Bienenschwarm. Dabei fliegt die alte Königin mit etwa der Hälfte der Arbeiterinnen davon und sucht sich eine neue Behausung. Zuvor tanken alle noch mal kräftig an den Honigvorräten auf, um für dieses Abenteuer auch wirklich gerüstet zu sein. Es ist völlig unklar, wie die Bienen entscheiden, wer auszieht und wer zurückbleibt. Ist eine neue Höhlenwohnung gefunden, wird sofort mit dem Wabenbau begonnen und schon bald beginnt die ausgeflogene Königin wieder Eier zu legen.

Im restlichen, zurückgebliebenen Bienenvolk schlüpft eine neue Königin, die schon nach wenigen Tagen zu ihrem Begattungsflug aufbricht und nach ihrer erfolgreichen Rückkehr mit der Eiablage beginnt. Wenn das alles so klappt, dann sind auf diese Weise aus einem Bienenvolk zwei Bienenstaaten geworden.
 

Im Winter sitzen die Bienen eng zusammengerückt auf den Waben und heizen diese durch Muskelzittern. Die Flügel werden ausgekoppelt und nur die Flugmuskulatur bewegt. Dabei wird im Inneren dieser Wintertraube eine Temperatur von 35 Grad gehalten, ganz egal wie kalt es draußen ist. Am Rand ist es natürlich kälter, deshalb wechseln die Bienen ab und zu die Position, so daß jede mal ins warme Innere gelangt. Das Heizen benötigt sehr viel Treibstoff, deshalb sammeln die Bienen den Honig, um genügend Wärmeenergie für die Überwinterung erzeugen können. Das Überwintern als ganzes Volk hat den großen Vorteil, daß im Frühjahr, wenn die Blüte richtig los geht, schon tausende Bienen zum Sammeln zur Verfügung stehen. Das macht die Honigbienen so erfolgreich.

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